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Reflexionsset

Offener Kreis

Orientierungsfragen für bewusste Beteiligung

Ein Fragenset für Forschungskoordination, Projektleitung und Moderation – um zu entscheiden, ob, wo und wie Beteiligung tragfähig ist.

Wann fühlt sich Engagement nicht mehr wie Mitforschen, sondern wie der Ausgleich fehlender Ressourcen an?

1

Phase: Rahmen

Orientierung: Macht und Verantwortung

So funktioniert das Set

Die Logik des Sets

Offener Kreis ist ein Reflexionsset für Projekte, die Beteiligung nicht nur versprechen, sondern bewusst gestalten wollen.

Zwei Dimensionen, eine Karte

Jede Karte verbindet eine Projektphase mit einer Orientierung. So wird auf einen Blick klar, an welcher Stelle im Prozess die Frage wichtig wird und welches Spannungsfeld sie genauer beleuchtet.

Projektphasen

Die Phasen gliedern den typischen Verlauf eines Forschungsprojekts in klare Abschnitte. Sie helfen dabei zu sehen, wann eine Frage besonders relevant wird.

Rahmen Entwurf Sammeln Deuten Teilen

Orientierungen

Die Orientierungen benennen wiederkehrende Spannungsfelder partizipativer Forschung. Sie zeigen, aus welchem Blickwinkel eine Frage gestellt ist und welche Dimension des Projekts sie vertieft.

Macht und Verantwortung Wissen und Gültigkeit Zeit und Verbindlichkeit Nutzen und Wirkung Sprache und Öffentlichkeit

So liest sich die Beispielkarte

Die Beispielkarte oben gehört zur Phase Rahmen und zur Orientierung Macht und Verantwortung .

So lassen sich die Karten lesen: Die Phase zeigt, wann die Frage besonders wichtig wird; die Orientierung zeigt, welches Spannungsfeld sie sichtbar macht.

Kein Kurs, keine Methode, keine Checkliste - auch "bewusst nicht" ist legitim

Das Set hilft nicht dabei, Beteiligung zu maximieren, sondern Entscheidungen nachvollziehbarer und ehrlicher zu machen.

Einstieg

Drei Karten reichen

Wähle 1 Einstieg. Nimm 3 Karten. Optional: +1 Kontrastkarte.

Einstieg nach Orientierung

Macht und Verantwortung

Einstiegskarten

2 · 14 · 19

Wissen und Gültigkeit

Einstiegskarten

6 · 10 · 16

Zeit und Verbindlichkeit

Einstiegskarten

3 · 24 · 28

Nutzen und Wirkung

Einstiegskarten

5 · 17 · 21

Sprache und Öffentlichkeit

Einstiegskarten

8 · 20 · 30

Optional: 1 Kontrastkarte aus anderer Orientierung

Einstieg nach Phase

Rahmen

Kartenbereich

1–6

Entwurf

Kartenbereich

7–12

Sammeln

Kartenbereich

13–18

Deuten

Kartenbereich

19–24

Teilen

Kartenbereich

25–30

Nutze Karten vor allem dann, wenn hier gerade eine Weiche ansteht.

Was ihr mitnehmt

Pro Karte: drei kurze Notizen

  • Worum geht's uns hier wirklich?
  • Was können/wollen wir ehrlich nicht tragen?
  • Was heißt das für unsere Entscheidung? jetzt / später prüfen / bewusst nicht

Zum Schluss (1 Minute):

  • Wir tun:
  • Wir lassen bewusst:
  • Woran merken wir früh, dass das kippt?

Gesprächsformat

Resonanzgespräch

1:1 oder im Team

15–20 Minuten Kartenset + Notizen
1

Karte ziehen

Jede Person zieht verdeckt 1 Karte aus dem Set.

2

Still lesen (2 Min.)

Jede Person liest für sich. Was löst die Frage aus? Wo berührt sie das Projekt?

3

Austausch (5–10 Min.)

Reihum teilen: Was ist aufgetaucht? Was wäre eine ehrliche Antwort? Keine Debatte – nur hören und verstehen.

4

Mitnehmen

Kurz notieren: Worauf achten wir jetzt? Was ist geklärt, was offen?

Erlaubter Ausgang: Auch „in dieser Phase keine Partizipation“ ist ein Ergebnis.

Arbeiten im Team

Workshopformate für Botschafter:innen

Drei mögliche Formate für Team- und Workshopsettings. Klick auf ein Format, um die Anleitung zu öffnen.

Mythos – Realität – Preis

Teams benennen verbreitete Partizipations-Mythen, holen sie auf den Boden der Realität und benennen den Preis, wenn man so tut als ob.

90 Min.
8–15 Personen

Überblick

Ein Format, um kollektive Annahmen über Partizipation sichtbar zu machen und deren Konsequenzen zu benennen. Ziel ist nicht Belehrung, sondern geteilte Klarheit darüber, was im Projekt ehrlich möglich ist.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“ (optional)
  • Flipcharts oder digitales Board
  • Post-its in drei Farben (Mythos / Realität / Preis)

Ablauf

1
Mythen sammeln (20 Min.)

Jede:r schreibt still 2–3 Sätze auf, die im Kontext von Partizipation oft fallen („Alle müssen mitentscheiden“, „Wenn wir fragen, müssen wir alles umsetzen“). Sammeln an der Wand, clustern nach Themen.

2
Realität benennen (30 Min.)

In Kleingruppen: Nehmt euch 1–2 Mythen vor. Was ist die tatsächliche Situation in euren Projekten? Was ist strukturell, was kulturell bedingt? Notiert nüchterne Realitäts-Sätze.

3
Preis sichtbar machen (20 Min.)

Was passiert, wenn wir diesen Mythos aufrechterhalten? Was kostet es – an Vertrauen, Zeit, Ressourcen? Jede Gruppe präsentiert ihre Erkenntnisse.

4
Mitnehmen (20 Min.)

Im Plenum: Welche Mythen wollen wir aktiv hinterfragen? Was bedeutet das für die nächste Projektphase? Dokumentation als „Anti-Mythen-Manifest“.

Ergebnis

Gemeinsames Bewusstsein für unausgesprochene Erwartungen und ihre realen Grenzen. Grundlage für ehrlichere Beteiligungsdesigns.

Projektklinik

Ein Team bringt ein laufendes Projekt mit. Die Gruppe arbeitet mit Karten aus dem Set, um blinde Flecken zu beleuchten.

120 Min.
6–12 Personen

Überblick

Ein kollegiales Beratungsformat mit strukturierter Reflexion. Ein Projekt wird „behandelt“, nicht um Lösungen zu finden, sondern um schärfer zu sehen, wo Partizipation gerade hakt.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“
  • Stilles Schreibmaterial
  • Timer
  • Optional: Dokumentation durch neutrale Person

Ablauf

1
Falleinbringung (15 Min.)

Das einbringende Team (max. 2–3 Personen) beschreibt ihr Projekt, die Beteiligungsabsicht und eine konkrete Frage/Herausforderung. Alle anderen hören nur zu, keine Fragen.

2
Stille Kartenreflexion (20 Min.)

Jede Person wählt 1–2 Karten aus dem Set, die beim Zuhören Resonanz ausgelöst haben. Stilles Notieren: Warum diese Karte? Was macht sie im Kontext des Falls sichtbar?

3
Spiegelung (40 Min.)

Reihum: Jede:r liest die gewählte Frage vor, teilt ihre/seine Wahrnehmung. Das einbringende Team hört zu, notiert, fragt nicht nach. Keine Diskussion, nur Perspektiven neben Perspektiven.

4
Resonanz & Mitnehmen (30 Min.)

Das einbringende Team teilt: Was hat uns getroffen? Was nehmen wir mit? Kurzer Austausch im Plenum über den Prozess selbst.

5
Abschluss (15 Min.)

Was hat das Format mit uns gemacht? Wo hätten wir gern „gelöst“ statt „gesehen“?

Ergebnis

Keine fertigen Antworten, aber ein klareres Bild der Herausforderung. Das Team sieht blinde Flecken, ohne in Rechtfertigung oder schnelle Lösungen zu verfallen.

Fishbowl der schwierigen Sätze

Kernteam sitzt innen, Beobachtende außen. Innenkreis spricht über ausgewählte Fragen aus dem Set. Ziel: Machtverhältnisse im Projekt sichtbar machen.

90 Min.
10–20 Personen

Überblick

Ein Format für Teams, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, aber unterschiedliche Rollen und damit unterschiedliche Macht haben. Die Fishbowl macht sichtbar, wer spricht, wer schweigt, wessen Stimme zählt.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“
  • Stuhlkreis (innen 4–6 Stühle, außen der Rest)
  • Timer
  • Optional: stiller Beobachtungsauftrag für Außenkreis

Ablauf

1
Vorbereitung (10 Min.)

Gemeinsam 3–4 Karten aus dem Set wählen, die im Projekt gerade Spannung erzeugen (z. B. #1 „Wann fühlt sich Engagement nicht mehr wie Mitforschen, sondern wie der Ausgleich fehlender Ressourcen an?“, #13 „Wo brauchen wir klare Regeln und wo eher Spielraum, damit Menschen teilnehmen können?“). Fishbowl-Regeln klären: Innen wird gesprochen, außen nur gehört. Ein leerer Stuhl innen steht für spontane Wortmeldungen aus dem Außenkreis.

2
Erste Fishbowl-Runde (25 Min.)

Kernteam (z.B. Projektleitung, Koordination) sitzt innen, spricht über die gewählten Fragen. Außenkreis beobachtet: Wer spricht wie lange? Welche Fragen werden vermieden? Was wird als „gesetzt“ behandelt?

3
Stille Reflexion (10 Min.)

Alle notieren für sich: Was habe ich gehört/nicht gehört? Was hat mich überrascht, irritiert, bestätigt?

4
Zweite Fishbowl-Runde mit Wechsel (25 Min.)

Innen- und Außenkreis tauschen teilweise. Neue Konstellation spricht über dieselben Karten. Wie ändert sich die Dynamik?

5
Auswertung im Plenum (20 Min.)

Was wurde sichtbar? Welche Machtverhältnisse haben sich gezeigt? Wo müssen wir im Projekt anders sprechen, anders entscheiden? Keine Lösungen, nur Benennen.

Ergebnis

Kollektives Bewusstsein für implizite Hierarchien und Sprechräume. Grundlage für bewusstere Beteiligungsarchitekturen im Projekt.

POSTER / DOWNLOADS

Fragen für Flure, Büros und gemeinsame Räume

Ausgewählte Fragen aus dem Kartenset stehen auch als Poster zur Verfügung - gedacht für Orte, an denen Zusammenarbeit stattfindet: Büros, Seminarräume, Flure oder gemeinsame Arbeitsbereiche.

Sie bringen keine Kampagne an die Wand, sondern eine ruhige Frage in den Alltag.

Die ersten fünf Motive können direkt heruntergeladen werden. Auf Anfrage kann auch jede andere der 30 Fragen als individuelles Poster gesetzt werden.

Weiterentwicklung

Rückmeldung für die nächste Auflage

Wenn ihr das Set genutzt habt oder gerade einsetzt, helfen kurze Rückmeldungen dabei, eine nächste Version gezielter weiterzuentwickeln.

Spam-Schutz

Mit einer späteren Einsendung werden Angaben nur zur Auswertung des Sets und für eine mögliche Rückmeldung verwendet. Zur Datenschutzerklärung

Kontext

Hintergrund

Konzept & Redaktion: Jan Meischner

Gefördert durch: Die Umsetzung der Idee wird im Rahmen von partX – Fortbildungsreihe partizipative Forschung finanziell unterstützt. partX ist ein Angebot von mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen. Das Projekt wird von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin umgesetzt und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

Entstanden im Austausch mit: Oihana Olhasque (englisches Gegenlesen und Feedback), Daniel Marks (visuelles System und editoriale Gestaltung), Stefanie Pietsch (frühe konzeptionelle Entwicklung der Projektphasen) sowie Prof. Stefan Lüdtke und Prof. Stefan Oehmcke, die durch Freiraum, Vertrauen und die Möglichkeit zur Teilnahme an partX diese Entwicklung ermöglicht haben.

mit:forschen!
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Offener-Kreis-Karten rund um die Kartenbox ausgelegt.

Foto: Jan Meischner

Nächster Schritt

Fragen, Downloads & Bezug

Für Rückfragen, Einsatzkontexte oder Materialien rund um Offener Kreis ist hier der nächste Einstiegspunkt.