Offener Kreis
Orientierungsfragen für bewusste Beteiligung
Ein Fragenset für Forschungskoordination, Projektleitung und Moderation – um zu entscheiden, ob, wo und wie Beteiligung tragfähig ist.
Worum es geht
30 offene Fragen entlang des Projektzyklus (Rahmen–Entwurf–Sammeln–Deuten–Teilen)
5 Orientierungen (Macht & Verantwortung · Wissen & Gültigkeit · Zeit & Verbindlichkeit · Nutzen & Wirkung · Sprache & Öffentlichkeit)
Kein Kurs, keine Methode, keine Checkliste – auch „bewusst nicht“ ist legitim
Drei Karten reichen
Wähle 1 Einstieg. Nimm 3 Karten. Optional: +1 Kontrastkarte.
Einstieg nach Orientierung
Optional: 1 Kontrastkarte aus anderer Orientierung
Einstieg nach Phase
Nutze Karten vor allem dann, wenn hier gerade eine Weiche ansteht.
Was ihr mitnehmt
Pro Karte: drei kurze Notizen
- Worum geht's uns hier wirklich?
- Was können/wollen wir ehrlich nicht tragen?
- Was heißt das für unsere Entscheidung? jetzt / später prüfen / bewusst nicht
Zum Schluss (1 Minute):
- Wir tun:
- Wir lassen bewusst:
- Woran merken wir früh, dass das kippt?
Resonanzgespräch
1:1 oder im Team
Karte ziehen
Jede Person zieht verdeckt 1 Karte aus dem Set.
Still lesen (2 Min.)
Jede Person liest für sich. Was löst die Frage aus? Wo berührt sie das Projekt?
Austausch (5–10 Min.)
Reihum teilen: Was ist aufgetaucht? Was wäre eine ehrliche Antwort? Keine Debatte – nur hören und verstehen.
Mitnehmen
Kurz notieren: Worauf achten wir jetzt? Was ist geklärt, was offen?
Erlaubter Ausgang: Auch „in dieser Phase keine Partizipation“ ist ein Ergebnis.
Workshopformate für Botschafter:innen
Drei mögliche Formate für Team- und Workshopsettings. Klick auf ein Format, um die Anleitung zu öffnen.
Mythos – Realität – Preis
Teams benennen verbreitete Partizipations-Mythen, holen sie auf den Boden der Realität und benennen den Preis, wenn man so tut als ob.
90 Min. 8–15 Personen
Mythos – Realität – Preis
Teams benennen verbreitete Partizipations-Mythen, holen sie auf den Boden der Realität und benennen den Preis, wenn man so tut als ob.
Überblick
Ein Format, um kollektive Annahmen über Partizipation sichtbar zu machen und deren Konsequenzen zu benennen. Ziel ist nicht Belehrung, sondern geteilte Klarheit darüber, was im Projekt ehrlich möglich ist.
Material
- • Kartenset „Offener Kreis“ (optional)
- • Flipcharts oder digitales Board
- • Post-its in drei Farben (Mythos / Realität / Preis)
Ablauf
Mythen sammeln (20 Min.)
Jede:r schreibt still 2–3 Sätze auf, die im Kontext von Partizipation oft fallen („Alle müssen mitentscheiden“, „Wenn wir fragen, müssen wir alles umsetzen“). Sammeln an der Wand, clustern nach Themen.
Realität benennen (30 Min.)
In Kleingruppen: Nehmt euch 1–2 Mythen vor. Was ist die tatsächliche Situation in euren Projekten? Was ist strukturell, was kulturell bedingt? Notiert nüchterne Realitäts-Sätze.
Preis sichtbar machen (20 Min.)
Was passiert, wenn wir diesen Mythos aufrechterhalten? Was kostet es – an Vertrauen, Zeit, Ressourcen? Jede Gruppe präsentiert ihre Erkenntnisse.
Mitnehmen (20 Min.)
Im Plenum: Welche Mythen wollen wir aktiv hinterfragen? Was bedeutet das für die nächste Projektphase? Dokumentation als „Anti-Mythen-Manifest“.
Ergebnis
Gemeinsames Bewusstsein für unausgesprochene Erwartungen und ihre realen Grenzen. Grundlage für ehrlichere Beteiligungsdesigns.
Projektklinik
Ein Team bringt ein laufendes Projekt mit. Die Gruppe arbeitet mit Karten aus dem Set, um blinde Flecken zu beleuchten.
120 Min. 6–12 Personen
Projektklinik
Ein Team bringt ein laufendes Projekt mit. Die Gruppe arbeitet mit Karten aus dem Set, um blinde Flecken zu beleuchten.
Überblick
Ein kollegiales Beratungsformat mit strukturierter Reflexion. Ein Projekt wird „behandelt“, nicht um Lösungen zu finden, sondern um schärfer zu sehen, wo Partizipation gerade hakt.
Material
- • Kartenset „Offener Kreis“
- • Stilles Schreibmaterial
- • Timer
- • Optional: Dokumentation durch neutrale Person
Ablauf
Falleinbringung (15 Min.)
Das einbringende Team (max. 2–3 Personen) beschreibt ihr Projekt, die Beteiligungsabsicht und eine konkrete Frage/Herausforderung. Alle anderen hören nur zu, keine Fragen.
Stille Kartenreflexion (20 Min.)
Jede Person wählt 1–2 Karten aus dem Set, die beim Zuhören Resonanz ausgelöst haben. Stilles Notieren: Warum diese Karte? Was macht sie im Kontext des Falls sichtbar?
Spiegelung (40 Min.)
Reihum: Jede:r liest die gewählte Frage vor, teilt ihre/seine Wahrnehmung. Das einbringende Team hört zu, notiert, fragt nicht nach. Keine Diskussion, nur Perspektiven neben Perspektiven.
Resonanz & Mitnehmen (30 Min.)
Das einbringende Team teilt: Was hat uns getroffen? Was nehmen wir mit? Kurzer Austausch im Plenum über den Prozess selbst.
Abschluss (15 Min.)
Was hat das Format mit uns gemacht? Wo hätten wir gern „gelöst“ statt „gesehen“?
Ergebnis
Keine fertigen Antworten, aber ein klareres Bild der Herausforderung. Das Team sieht blinde Flecken, ohne in Rechtfertigung oder schnelle Lösungen zu verfallen.
Fishbowl der schwierigen Sätze
Kernteam sitzt innen, Beobachtende außen. Innenkreis spricht über ausgewählte Fragen aus dem Set. Ziel: Machtverhältnisse im Projekt sichtbar machen.
90 Min. 10–20 Personen
Fishbowl der schwierigen Sätze
Kernteam sitzt innen, Beobachtende außen. Innenkreis spricht über ausgewählte Fragen aus dem Set. Ziel: Machtverhältnisse im Projekt sichtbar machen.
Überblick
Ein Format für Teams, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, aber unterschiedliche Rollen und damit unterschiedliche Macht haben. Die Fishbowl macht sichtbar, wer spricht, wer schweigt, wessen Stimme zählt.
Material
- • Kartenset „Offener Kreis“
- • Stuhlkreis (innen 4–6 Stühle, außen der Rest)
- • Timer
- • Optional: stiller Beobachtungsauftrag für Außenkreis
Ablauf
Vorbereitung (10 Min.)
Gemeinsam 3–4 Karten aus dem Set wählen, die im Projekt gerade Spannung erzeugen (z. B. #1 „Wann fühlt sich Engagement nicht mehr wie Mitforschen, sondern wie der Ausgleich fehlender Ressourcen an?“, #13 „Wo brauchen wir klare Regeln und wo eher Spielraum, damit Menschen teilnehmen können?“). Fishbowl-Regeln klären: Innen wird gesprochen, außen nur gehört. Ein leerer Stuhl innen steht für spontane Wortmeldungen aus dem Außenkreis.
Erste Fishbowl-Runde (25 Min.)
Kernteam (z.B. Projektleitung, Koordination) sitzt innen, spricht über die gewählten Fragen. Außenkreis beobachtet: Wer spricht wie lange? Welche Fragen werden vermieden? Was wird als „gesetzt“ behandelt?
Stille Reflexion (10 Min.)
Alle notieren für sich: Was habe ich gehört/nicht gehört? Was hat mich überrascht, irritiert, bestätigt?
Zweite Fishbowl-Runde mit Wechsel (25 Min.)
Innen- und Außenkreis tauschen teilweise. Neue Konstellation spricht über dieselben Karten. Wie ändert sich die Dynamik?
Auswertung im Plenum (20 Min.)
Was wurde sichtbar? Welche Machtverhältnisse haben sich gezeigt? Wo müssen wir im Projekt anders sprechen, anders entscheiden? Keine Lösungen, nur Benennen.
Ergebnis
Kollektives Bewusstsein für implizite Hierarchien und Sprechräume. Grundlage für bewusstere Beteiligungsarchitekturen im Projekt.
Coming Soon
Interaktive Auswahl → passende Frage anzeigen
Ein Tool, das euch durch gezielte Filter zu den Fragen führt, die gerade passen.
Hintergrund
Konzept & Redaktion: Jan Meischner
Gefördert durch: Die Umsetzung der Idee wird im Rahmen von partX – Fortbildungsreihe partizipative Forschung finanziell unterstützt. partX ist ein Angebot von mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen. Das Projekt wird von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin umgesetzt und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.