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Offener Kreis

Orientierungsfragen für bewusste Beteiligung

Ein Fragenset für Forschungskoordination, Projektleitung und Moderation – um zu entscheiden, ob, wo und wie Beteiligung tragfähig ist.

#1
Wann fühlt sich Engagement nicht mehr wie Mitforschen, sondern wie der Ausgleich fehlender Ressourcen an?

Worum es geht

30 offene Fragen entlang des Projektzyklus (Rahmen–Entwurf–Sammeln–Deuten–Teilen)

5 Orientierungen (Macht & Verantwortung · Wissen & Gültigkeit · Zeit & Verbindlichkeit · Nutzen & Wirkung · Sprache & Öffentlichkeit)

Kein Kurs, keine Methode, keine Checkliste – auch „bewusst nicht“ ist legitim

Drei Karten reichen

Wähle 1 Einstieg. Nimm 3 Karten. Optional: +1 Kontrastkarte.

Einstieg nach Orientierung

Macht & Verantwortung 2 · 14 · 19
Wissen & Gültigkeit 6 · 10 · 16
Zeit & Verbindlichkeit 3 · 24 · 28
Nutzen & Wirkung 5 · 17 · 21
Sprache & Öffentlichkeit 8 · 20 · 30

Optional: 1 Kontrastkarte aus anderer Orientierung

Einstieg nach Phase

Rahmen 1–6
Entwurf 7–12
Sammeln 13–18
Deuten 19–24
Teilen 25–30

Nutze Karten vor allem dann, wenn hier gerade eine Weiche ansteht.

Was ihr mitnehmt

Pro Karte: drei kurze Notizen

  • Worum geht's uns hier wirklich?
  • Was können/wollen wir ehrlich nicht tragen?
  • Was heißt das für unsere Entscheidung? jetzt / später prüfen / bewusst nicht

Zum Schluss (1 Minute):

  • Wir tun:
  • Wir lassen bewusst:
  • Woran merken wir früh, dass das kippt?

Resonanzgespräch

1:1 oder im Team

15–20 Minuten Kartenset + Notizen
1

Karte ziehen

Jede Person zieht verdeckt 1 Karte aus dem Set.

2

Still lesen (2 Min.)

Jede Person liest für sich. Was löst die Frage aus? Wo berührt sie das Projekt?

3

Austausch (5–10 Min.)

Reihum teilen: Was ist aufgetaucht? Was wäre eine ehrliche Antwort? Keine Debatte – nur hören und verstehen.

4

Mitnehmen

Kurz notieren: Worauf achten wir jetzt? Was ist geklärt, was offen?

Erlaubter Ausgang: Auch „in dieser Phase keine Partizipation“ ist ein Ergebnis.

Workshopformate für Botschafter:innen

Drei mögliche Formate für Team- und Workshopsettings. Klick auf ein Format, um die Anleitung zu öffnen.

Mythos – Realität – Preis

Teams benennen verbreitete Partizipations-Mythen, holen sie auf den Boden der Realität und benennen den Preis, wenn man so tut als ob.

90 Min.
8–15 Personen

Überblick

Ein Format, um kollektive Annahmen über Partizipation sichtbar zu machen und deren Konsequenzen zu benennen. Ziel ist nicht Belehrung, sondern geteilte Klarheit darüber, was im Projekt ehrlich möglich ist.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“ (optional)
  • Flipcharts oder digitales Board
  • Post-its in drei Farben (Mythos / Realität / Preis)

Ablauf

1
Mythen sammeln (20 Min.)

Jede:r schreibt still 2–3 Sätze auf, die im Kontext von Partizipation oft fallen („Alle müssen mitentscheiden“, „Wenn wir fragen, müssen wir alles umsetzen“). Sammeln an der Wand, clustern nach Themen.

2
Realität benennen (30 Min.)

In Kleingruppen: Nehmt euch 1–2 Mythen vor. Was ist die tatsächliche Situation in euren Projekten? Was ist strukturell, was kulturell bedingt? Notiert nüchterne Realitäts-Sätze.

3
Preis sichtbar machen (20 Min.)

Was passiert, wenn wir diesen Mythos aufrechterhalten? Was kostet es – an Vertrauen, Zeit, Ressourcen? Jede Gruppe präsentiert ihre Erkenntnisse.

4
Mitnehmen (20 Min.)

Im Plenum: Welche Mythen wollen wir aktiv hinterfragen? Was bedeutet das für die nächste Projektphase? Dokumentation als „Anti-Mythen-Manifest“.

Ergebnis

Gemeinsames Bewusstsein für unausgesprochene Erwartungen und ihre realen Grenzen. Grundlage für ehrlichere Beteiligungsdesigns.

Projektklinik

Ein Team bringt ein laufendes Projekt mit. Die Gruppe arbeitet mit Karten aus dem Set, um blinde Flecken zu beleuchten.

120 Min.
6–12 Personen

Überblick

Ein kollegiales Beratungsformat mit strukturierter Reflexion. Ein Projekt wird „behandelt“, nicht um Lösungen zu finden, sondern um schärfer zu sehen, wo Partizipation gerade hakt.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“
  • Stilles Schreibmaterial
  • Timer
  • Optional: Dokumentation durch neutrale Person

Ablauf

1
Falleinbringung (15 Min.)

Das einbringende Team (max. 2–3 Personen) beschreibt ihr Projekt, die Beteiligungsabsicht und eine konkrete Frage/Herausforderung. Alle anderen hören nur zu, keine Fragen.

2
Stille Kartenreflexion (20 Min.)

Jede Person wählt 1–2 Karten aus dem Set, die beim Zuhören Resonanz ausgelöst haben. Stilles Notieren: Warum diese Karte? Was macht sie im Kontext des Falls sichtbar?

3
Spiegelung (40 Min.)

Reihum: Jede:r liest die gewählte Frage vor, teilt ihre/seine Wahrnehmung. Das einbringende Team hört zu, notiert, fragt nicht nach. Keine Diskussion, nur Perspektiven neben Perspektiven.

4
Resonanz & Mitnehmen (30 Min.)

Das einbringende Team teilt: Was hat uns getroffen? Was nehmen wir mit? Kurzer Austausch im Plenum über den Prozess selbst.

5
Abschluss (15 Min.)

Was hat das Format mit uns gemacht? Wo hätten wir gern „gelöst“ statt „gesehen“?

Ergebnis

Keine fertigen Antworten, aber ein klareres Bild der Herausforderung. Das Team sieht blinde Flecken, ohne in Rechtfertigung oder schnelle Lösungen zu verfallen.

Fishbowl der schwierigen Sätze

Kernteam sitzt innen, Beobachtende außen. Innenkreis spricht über ausgewählte Fragen aus dem Set. Ziel: Machtverhältnisse im Projekt sichtbar machen.

90 Min.
10–20 Personen

Überblick

Ein Format für Teams, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten, aber unterschiedliche Rollen und damit unterschiedliche Macht haben. Die Fishbowl macht sichtbar, wer spricht, wer schweigt, wessen Stimme zählt.

Material

  • Kartenset „Offener Kreis“
  • Stuhlkreis (innen 4–6 Stühle, außen der Rest)
  • Timer
  • Optional: stiller Beobachtungsauftrag für Außenkreis

Ablauf

1
Vorbereitung (10 Min.)

Gemeinsam 3–4 Karten aus dem Set wählen, die im Projekt gerade Spannung erzeugen (z. B. #1 „Wann fühlt sich Engagement nicht mehr wie Mitforschen, sondern wie der Ausgleich fehlender Ressourcen an?“, #13 „Wo brauchen wir klare Regeln und wo eher Spielraum, damit Menschen teilnehmen können?“). Fishbowl-Regeln klären: Innen wird gesprochen, außen nur gehört. Ein leerer Stuhl innen steht für spontane Wortmeldungen aus dem Außenkreis.

2
Erste Fishbowl-Runde (25 Min.)

Kernteam (z.B. Projektleitung, Koordination) sitzt innen, spricht über die gewählten Fragen. Außenkreis beobachtet: Wer spricht wie lange? Welche Fragen werden vermieden? Was wird als „gesetzt“ behandelt?

3
Stille Reflexion (10 Min.)

Alle notieren für sich: Was habe ich gehört/nicht gehört? Was hat mich überrascht, irritiert, bestätigt?

4
Zweite Fishbowl-Runde mit Wechsel (25 Min.)

Innen- und Außenkreis tauschen teilweise. Neue Konstellation spricht über dieselben Karten. Wie ändert sich die Dynamik?

5
Auswertung im Plenum (20 Min.)

Was wurde sichtbar? Welche Machtverhältnisse haben sich gezeigt? Wo müssen wir im Projekt anders sprechen, anders entscheiden? Keine Lösungen, nur Benennen.

Ergebnis

Kollektives Bewusstsein für implizite Hierarchien und Sprechräume. Grundlage für bewusstere Beteiligungsarchitekturen im Projekt.

Coming Soon

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Hintergrund

Konzept & Redaktion: Jan Meischner

Gefördert durch: Die Umsetzung der Idee wird im Rahmen von partX – Fortbildungsreihe partizipative Forschung finanziell unterstützt. partX ist ein Angebot von mit:forschen! Gemeinsam Wissen schaffen. Das Projekt wird von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin umgesetzt und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.

Förderer Foo
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